Archiv für die Kategorie 'Newsticker'

Matthias

Shooting Back

Da regt man sich noch auf, daß das, was in Palästina passiert, in Deutschland so wenig Echo in den Medien findet, und jetzt das:

Die Tagesthemen haben gestern einen schönen Beitrag über die Organisation B’Tselem gebracht: Hier gehts zur Tagesthemen-Seite.

B’Tselem verteilt unter dem Motto “Shooting Back” Videokameras an Palästinenser, die Opfer von Übergriffen von Siedlern und Sicherheitskräften wurden. Im Beitrag werden Bilder und Interviews aus Susiya gezeigt, wo neben EAPPI auch B’Tselem aktiv ist.

Diese Methode ist so einfach wie effektiv: Das Beweismaterial diente bereits in vielen Fällen dazu, Übergriffe publik zu machen. B’Tselem-Material wird von den Medien verwendet und diente auch schon häufig vor Gericht als Beweismittel. Die Methode wirkt auch präventiv: Die Tatsache, daß die Opfer mit Kameras ausgestattet werden, führt dazu, daß Angriffe unterbleiben. Im Tagesthemen-Beitrag wurde erwähnt, daß sich die Lage in Susiya entspannt habe, seit B’Tselem dort aktiv wurde. Besonders faszinierend finde ich die folgende Auswirkung: Da sie wissen, daß ihre Aufnahmen unbrauchbar sind, wenn darauf Gewalt zu sehen ist, die von den Palästinensern ausgeübt wird, drängen die B’Tselem-Aktivisten die Palästinenser dazu, selbst auf Gewalt zu verzichten. Der übliche Teufelskreis von maskierten Siedlerangriffen und Steinwürfen palästinensicher Jugendlicher kann so unterbrochen werden.

Hier der Link zur B’Tselem-Homepage (auf Englisch).

Mehr zu B’Tselem im Blog hier und hier.

Kristina

Die spinnen, die Christen!

Als gäbe es nicht schon genug Ärger im ‘Heiligen Land’: Hier ein weiterer Beweis dafür, dass in diesem Land und ganz besonders in Jerusalem über kurz oder lang jeder durchdreht. Aber dass jetzt auch noch Mönche in der Grabeskirche aufeinander einprügeln, überrascht dann doch ein bisschen. Also, schnell Popcorn und Nachos holen und den Film genießen, den ich eben bei Youtube gefunden habe (ist aber auch bei Haaretz, Jerusalem Post, BBC und auf vermutlich tausend anderen Nachrichtenseiten zu finden).


YouTube Direkt

P.S.: Auch die taz berichtet ausführlich, Hintergründe zum Streit um die Grabeskirche in der Süddeutschen.

 

 

Kristina

Nachtschicht

Nachtschicht bei der Familie in der Nähe des zerstörten Federman-Farm-Outpost. Die vielen Kinder schlafen, die 95jährige Nachbarin auch und auch die 105-jährige Großmutter. Neben mir sitzt einer der jungen Männer der Familie, der wie sein Vater nachts kaum ein Auge zu kriegt. Wir sitzen vor dem Haus, schieben Wache und werden jedes Mal unruhig, wenn in der Gegend ein Hund anschlägt oder auch nur eine Katze durchs Gebüsch streift. Die Zeit vertreiben wir uns mit Kaffee, Tee, Toffifee und Arabisch-Unterricht. Alle paar Stunden wechseln Michal und ich uns ab und ich kann schlafen gehn. Es blieb ruhig diese Nacht – Gott sei dank!

Kristina

Wir sind nicht allein

Den allmorgendlichen Kampf mit den Soldaten und der Polizei darüber, ob wir die von Israel kontrollierte H2-Zone Hebrons betreten dürfen um die Kinder zur Cordoba-Schule zu begleiten, haben wir heute leider wie fast durchgängig in den letzten drei Wochen verloren. Der zuständige Polizist hatte zuvor den Soldaten über uns “Anarchisten” aufgeklärt.

Da tröstet es nur, dass wir prominente Mitstreiter haben, die ebenfalls in den letzten Tagen an der Closed Military Zone gescheitert sind: am Montag war es der Europa-Grünen-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, gestern die Vizepräsidentin des Europaparlaments Luisa Morgantini und heute eine Gruppe schwedischer Parlamentarier, denen Michael und ich eine Stadtführung gegeben haben.

Wir hatten mit den Schweden allerdings immerhin einen Teilerfolg: Was wir morgens alleine nicht erreicht haben, sprich einmal zur Cordoba-Schule hin- und zurücklaufen, wurde uns für 20 Minuten dank der Diplomatenpässe gewährt.

Kristina

Everyday is Settlersday

Während in Yanoun Samstags die Siedler ihren Shabbat damit verbringen, Bauernfamilien zu terrorisieren, ist in Hebron nun täglich Settlersday. Allein gestern haben die Siedler drei Überfälle begangen. 

  1. Gegen 8:30 Uhr in der Gegend um den zerstörten Siedlungs-Außenposten “Federman-Farm”: sie haben ganz in der Nähe der Familie, die wir seit Freitag begleiten und wo wir den Überfall über uns ergehen lassen mussten, ein weitere Haus attackiert. Dabei haben sie eine etwa 60-jährige Palästinenserin verprügelt und eine Internationale Beobachterin krankenhausreif geschlagen. 
  2. Mittags haben Siedler in Tel Rumeida den Sohn eines Friedensaktivisten verprügelt. Tel Rumeida ist der Stadtteil Hebrons, in dem Siedler am 18. Oktober den Pressefotografen und eine Friedensaktivistin vom Christian-Peacemaker-Team getreten und geschlagen haben. 
  3. Gegen 21:30 Uhr haben dutzende Siedler im Wadi Al Hussein ein Haus überfallen. Dieses palästinensische Wohnhaus liegt ganz in der Nähe der israelischen Siedlung, das die Siedler als “Beit Ha Shalom” (Haus des Friedens) bezeichnen. Drei Palästinenser wurden bei dem Überfall verletzt. 
Die Strategie der Siedlerattacken hat sich mit den letzten Überfällen gewandelt: Die Anzahl der Attacken ist immens und die Orte variieren. Das macht es den Friedensaktivisten schwer, zu reagieren.
Grund für die Attacken ist die erfolgte Räumung des Siedlungs-Außenposten “Federman-Farm” und die geplante Räumung der Siedlung “Beit Ha Shalom”. Seit Ende letzter Woche ist die Entscheidung durch die höchste gerichtliche Instanz in Israel gefallen, dass das Haus innerhalb von 24 Stunden geräumt werden muss. Passiert ist bisher aber noch nichts.
Momentan bereiten sich in diesem Haus vermutlich um die 100 israelische Extremisten auf den Kampf gegen die israelische Armee und Polizei vor. Sie verschweißen gerade bis auf zwei Türen alle Eingänge und die Baumaschinen, die wir aus dem Inneren gehört haben, legen nahe, dass sie sich auch innen verbarrikadieren.
Die Siedler, die ich vor dem Haus gesehen habe, sind teilweise erschreckend jung, manche vielleicht zwölf, dreizehn Jahre alt. Und natürlich sieht man die immer gleichen Männer telefonieren und Schlachtpläne schmieden, die diese Jungs und Jugendlichen dann ausführen sollen und werden. 

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