Kristina

Everyday is Settlersday

Während in Yanoun Samstags die Siedler ihren Shabbat damit verbringen, Bauernfamilien zu terrorisieren, ist in Hebron nun täglich Settlersday. Allein gestern haben die Siedler drei Überfälle begangen. 

  1. Gegen 8:30 Uhr in der Gegend um den zerstörten Siedlungs-Außenposten “Federman-Farm”: sie haben ganz in der Nähe der Familie, die wir seit Freitag begleiten und wo wir den Überfall über uns ergehen lassen mussten, ein weitere Haus attackiert. Dabei haben sie eine etwa 60-jährige Palästinenserin verprügelt und eine Internationale Beobachterin krankenhausreif geschlagen. 
  2. Mittags haben Siedler in Tel Rumeida den Sohn eines Friedensaktivisten verprügelt. Tel Rumeida ist der Stadtteil Hebrons, in dem Siedler am 18. Oktober den Pressefotografen und eine Friedensaktivistin vom Christian-Peacemaker-Team getreten und geschlagen haben. 
  3. Gegen 21:30 Uhr haben dutzende Siedler im Wadi Al Hussein ein Haus überfallen. Dieses palästinensische Wohnhaus liegt ganz in der Nähe der israelischen Siedlung, das die Siedler als “Beit Ha Shalom” (Haus des Friedens) bezeichnen. Drei Palästinenser wurden bei dem Überfall verletzt. 
Die Strategie der Siedlerattacken hat sich mit den letzten Überfällen gewandelt: Die Anzahl der Attacken ist immens und die Orte variieren. Das macht es den Friedensaktivisten schwer, zu reagieren.
Grund für die Attacken ist die erfolgte Räumung des Siedlungs-Außenposten “Federman-Farm” und die geplante Räumung der Siedlung “Beit Ha Shalom”. Seit Ende letzter Woche ist die Entscheidung durch die höchste gerichtliche Instanz in Israel gefallen, dass das Haus innerhalb von 24 Stunden geräumt werden muss. Passiert ist bisher aber noch nichts.
Momentan bereiten sich in diesem Haus vermutlich um die 100 israelische Extremisten auf den Kampf gegen die israelische Armee und Polizei vor. Sie verschweißen gerade bis auf zwei Türen alle Eingänge und die Baumaschinen, die wir aus dem Inneren gehört haben, legen nahe, dass sie sich auch innen verbarrikadieren.
Die Siedler, die ich vor dem Haus gesehen habe, sind teilweise erschreckend jung, manche vielleicht zwölf, dreizehn Jahre alt. Und natürlich sieht man die immer gleichen Männer telefonieren und Schlachtpläne schmieden, die diese Jungs und Jugendlichen dann ausführen sollen und werden. 

Ein Kommentar zu “Everyday is Settlersday”

  1. Janaam 07.11.2008 um 20:41

    Es ist schon unglaublich, was du da alles erlebst und mitbekommst. Es wird hier zu weinig über solche "Kleinigkeiten" berichtet. Mag sein, dass ab und zu irgendwo ein Artikel erscheint, aber solche Nachrichten werden sofort durch die, deren eine größere Bedeutung beigemessen wird, überschattet.
    Würde ich die Yvonne nicht kennen, hätte ich bis heute auch relativ wenig mitgekriegt, nur die übliche Nahostpolitik eben. Vielen Dank für deine infos und vielleicht sehen wir uns (in Schoppershof?), wenn du wieder da bsit.

    Jana

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

XHTML: Diese Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>