Archiv für die Kategorie 'Aftershow'

Matthias

Grüße aus dem Sommerloch

Eigentlich lohnt es sich nicht, die Debatte um das Bundesverdienstkreuz für Felicia Langer hier aufzuwärmen — allzu tumb sind die Argumente derer, die einen Skandal darin sehen, daß eine langjährige Kämpferin für die Rechte der Menschen in den besetzten Gebieten mit dieser Ehrung ausgezeichnet wird. Und letztlich scheint es ihnen selbst im tiefsten Sommerloch nicht gelingen, ihr Anliegen wirklich auf die Agenda zu bringen.

Daß auch Arno Hamburger in den Chor derer eingetreten ist, die meinen, sich mit der albernen Drohung profilieren zu müssen ihr eigenes Verdienstkreuz zurückzugeben, erstaunt kaum. Daß es selbst den Nürnberger Nachrichten nicht gelingt, auch nur einen einzigen Leserbrief aufzutreiben, der so etwas wie Verständnis für Hamburgers Position äußert, und stattdessen eine ganze Latte von Äußerungen druckt, die ihn unterschiedlich scharf angreifen, ist dann aber doch drollig.

Ein heißer Lesetipp (und zwar auch für die Hamburgers und Giordanos dieser Welt, die vermutlich gar nicht wissen, in wessen Kielwasser sie ihre Profilierungsversuche unternehmen) ist allerdings der Briefwechsel zwischen dem Kopf derer, die in allem und jedem schlimmsten Antisemitismus wittern (nämlich dem früher mal namhaften Journalisten Henryk M. Broder) und dem grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Ehrung für Langer unterstützt hatte.

Ich will nicht auf Broders eigene Seite verlinken sondern verweise auf einen Blogeintrag auf freitag.de — wer will, kann von dort aus weiterklicken. Chapeau vor der Souveränität Palmers!

Es wird Zeit, daß insbesondere die Nürnberger SPD erkennt, wie Hamburger mit solchen Aktionen nicht nur sein eigenes Ansehen zerstört.

Kristina

Auf freiem Fuß (II)

Jetzt ist es amtlich: Gestern meldete die israelische Tageszeitung Haaretz, dass die Klage gegen den israelischen Siedler Ze’ev Braude fallen gelassen wird. Er hatte im Dezember 2008 zwei Palästinenser angeschossen hat und war dabei von einem B’tselem-Aktivisten gefilmt worden.

Für die Niederschlagung der Klage sorgte kein geringerer als der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak höchst persönlich. Der Grund für die Einstellung des Verfahrens? Es gäbe einen geheimen Beweis, der Ze’ev Braude entlasten würde, aber der darf nicht genannt werden, weil er die Staatssicherheit gefährden könnte – so einfach ist das.

Mehr Informationen gibt es innerhalb des Blogs unter anderem bei Auf freiem Fuß und außerhalb bei B’tselem.

Kristina

Tourdaten (4)

Am 23. April ist der nächste Termin der gehaltslos.net-Tournee:

Um 19 Uhr findet ein Vortrag in Nürnberg-Lichtenhof statt, bei dem ich von meinen Erfahrungen während der drei Monate in Hebron berichte.

(Saal im Gemeindezentrum der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Allersberger Straße, Eingang in der Annastraße.)

Nähere Informationen gibt es hier.

Kristina

gehaltslos.net grüßt…

… alle Ostermarschierenden!

 

ostermarsch.jpg

Eigentlich wollte ich mir gestern einen ruhigen Abend machen, aber da Landesbischof Friedrich bezüglich EAPPI große Redefreude entwickelt, die mit einem Artikel in den Nürnberger Nachrichten belohnt wurde, war noch ein Leserbrief fällig. Vielen Dank an dieser Stelle an die fleißigen Kommentatorinnen und Kommentatoren, die mich auf den Artikel hingewiesen und mich zum Schreiben angespornt haben! Im wesentlichen ist es die gekürzte Version des Leserbriefs an das Münchner und Rothenburger Sonntagsblatt von vorgestern. Hoffentlich fällt ihm morgen nicht gleich wieder ein, dass er noch irgendwo ein Interview geben könnte: meine Wäschestapel bügeln sich nicht von selbst…

Hier also der Artikel:

Landesbischof Friedrich sparte auf der evangelischen Landessynode nicht mit Kritik am Freiwilligendienst EAPPI in Palästina. Er machte sich Sorgen, dass die Freiwilligen nur die palästinensische Sichtweise mitbekommen und nahm an, dass eine „ausgewogene Beurteilung der Lage“ durch ehemalige Freiwilligendienstler „nicht möglich“ sei.

Dem muss ich scharf widersprechen: Ich war selbst im vergangenen Herbst über EAPPI in Hebron und kann daher aus erster Hand sowohl über die Situation in Palästina wie auch über das Programm berichten. Die israelische Sichtweise nimmt breiten Raum bei der Ausbildung der Freiwilligen ein: Sowohl in den über 20 Trainingstagen im Vorfeld, während unserer einwöchigen Tour durch Israel in der Mitte des Einsatzes und auch in der täglichen Arbeit haben wir unterschiedlichste israelische Sichtweisen zum Nahostkonflikt kennen gelernt. Einer der sechs Standorte von EAPPI ist Jerusalem: es ist also mitnichten so, dass sich alle Aktivitäten auf die palästinensischen Autonomiegebiete beschränken. An unserer Exkursion nach Sderod, einem der israelischen Orte, der aus dem Gazastreifen beschossen wird, konnte ich leider nicht teilnehmen. Der Grund? In meinem Einsatzort Hebron griffen zu dieser Zeit gerade hunderte von militanten Siedlern zum Teil mehrmals täglich palästinensische Familien an und trieben diese aus ihren Häusern.

Friedrichs Kritik ist aber schon deswegen nicht angebracht, weil sich in dem Konflikt keine gleichstarken Gegner gegenüberstehen. Ein Konflikt zwischen einer Besatzungsmacht und einem besetzten Volk findet nicht auf Augenhöhe statt. Dass damit ein absolutes Übergewicht der Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte von Seiten Israels gegenüber Palästinensern einhergeht, liegt nahe und lässt sich auch mit einem Blick auf die Internetpräsenz www.ochaopt.org erfassen, der mit der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen betrauten UN-Organisation.

Wer in diesem Konflikt abwägend Stellung bezieht, marginalisiert dadurch die ständigen Menschen- und Völkerrechtsverletzungen der Besatzungsmacht und nimmt einseitig Stellung zugunsten Israels.

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